Der Jagdhund Spinone Italiano

Leo, Besistzer Herbert Reiterer aus Tulln, beim Gamsenapport, Dezember 2016

 

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Prolog

 

Der kräftige, bärtige Vorstehhund mit dem melancholischen Blick stammt aus Italien und ist außerhalb seiner Heimat noch eher unbekannt. Vielleicht wird der Italienische Rauhaarige Vorstehhund, wie er auf Deutsch genannt wird, auch bei den heimischen Jägern etwas populärer...

Dr. Gabriele Lehari aus Weidwerk 5 / 2008

 

 

Geschichte

 

Über die Geschichte des Spinone Italiano findet man seit der Antike immer wieder Dokumente und Aufzeichnungen. Um 500 v. Ch. wurde schon ein rauhaariger robuster Hund, den man bei der Jagd eingesetzt hat, beschrieben.

Etwa 600 Jahre später wurden in einem italienischen Werk Vorstehhunde mit halblangem Haar dokumentiert, denen eine legendäre Widerstandskraft zugeschrieben wurde. Weitere 100 Jahre später, etwa 200 n. Chr., wurde erwähnt, dass es Hunde gäbe, die nicht für sich selbst, sondern ausschließlich für ihren Herrn auf die Jagd gingen. Dieser Charakter - die starke Führerbezogenheit - passt ebenso zum heutigen Spinone Italiano wie auch die damalige Beschreibung eines Vorsteh-hundes mit langem dicken Haar, der sich durch eine ausgesprochen ruhige Suche auszeichnet. Die nächsten Hinweise finden sich dann wieder im späten Mittelalter und der nachfolgenden Zeit. Auf verschiedenen Fresken und Gemälden sind Hunde abgebildet, die in ihrem Aussehen sehr an den heutigen SI erinnern. Offensichtlich waren die jagdlichen Fähigkeiten dieser Hunde schon so gut entwickelt, dass über Jahrhun-derte kaum noch züchterische Veränderungen bez. rassetypischer Merkmale vorgenommen wurden.

Heute wird angenommen, dass der Spinone Italiano der ursprünglichste der drahthaarigen Vorsteh-hund ist.

 

 

Herkunft

 

Der erste Standard für die Rasse wurde erst 1897 festgelegt. Wie der Name sagt, ist sein Herkunfts-land Italien. Aber der genaue Ursprung dieser Rasse gibt bis heute immer wieder Anlass zu Spekula-tionen und ist nicht genau geklärt. Es wird vermutet, dass sich die Rasse aus Kreuzungen zwischen rauhaarigen Vorstehhunden, welche die Griechen von der Adria importierten , und dem weißen, da-mals in Italien weit verbreiteten Molosser entwickelt hat. Dadurch erklären sich der kräftige Körper-bau und die derbe Erscheinung dieser Hunde, sowie der weiße Farbschlag.

 

Beim Spinone Italiano gibt es unterschiedliche Typen; so findet man Linien mit kleineren, zierlichen Vertretern sowie größeren, kräftigen Hunden. In Deutschland hat sich der Spinone Italiano schon seit einigen Jahren in einem kleinen Kreis etabliert, wobei sich auch Züchter gezielt für die jagdliche Verwendung dieser Hunde einsetzen. Auch in Holland, Belgien, Schweiz und Österreich hat sich eine Reihe von Liebhabern dieser Rasse gefunden, aber natürlich weniger als in Italien, wo etwa 600 Welpen pro Jahr gewölft werden. In den USA erfreut sich dieser große Jagdhund ebenso zunehmen-der Beliebtheit. Hier wird er aber weniger für die Jagd, dafür häufig als Blindenführhund, Behinder-tenbegleithund sowie Therapiehund erfolgreich eingesetzt.

 

 

Merkmale

 

Der Spinone Italiano ist wohl einer der größten und kräftigsten Vorstehhunde. Trotz seiner fast massig wirkenden Erscheinung ist er eine sehr sensible Rasse. Ein vertrauensvolles, gutes Verhält-nis zu seinem Führer ist für ihn besonders wichtig. Er ist sehr umgänglich, unkompliziert, gesellig und leicht erziehbar. Er will es seinem Führer immer recht machen, muss aber hierfür genau verstehen, was von ihm verlangt wird. Geduld und vor allem das richtige Gefühl für den passenden Umgang mit diesem Hund sind Voraussetzungen dafür. Eine gewisse Sturheit legt dieser große Hund durchaus auch an den Tag, besonders wenn er nicht genau weiß, was von ihm erwartet wird. Der Mensch ist hier gefordert, ihn mit der richtigen Mischung aus Konsequenz und Einfühlungsvermögen zur Mitarbeit zu bewegen.

 

Mit zu harter oder ungerechter Behandlung kann man beim Spinone Italiano dagegen sehr viel kaputt machen - er braucht Lob und Anerkennung. Seine Erziehung und Ausbildung sollten auf posi-tiver Verstärkung basieren. Zeigt er unerwünschtes Verhalten, reicht ein strenges NEIN meistens aus, um ihm klarzumachen, dass er sich diese Unart gar nicht erst angewöhnen soll. Dagegen sind Methoden wie zum Beispiel der sog. "Zwangsapport" für diese Rasse absolut nicht zu empfehlen. Als Vorsteh-Apportierhund mit einer sehr guten Nase und der sog. "Weichmäuligkeit", wie sie besonders von Retrievern bekannt ist, zeichnet sich diese Rasse aus. Der Spinone Italiano besitzt ein fried-liches und geduldiges Wesen, ist aber dennoch mutig, kräftig und sehr widerstandsfähig. Er eignet sich für die Jagd in jedem Gelände und zu jeder Jahreszeit. Bei seiner Arbeit ist er unermüdlich, und er geht willig ins dornige Gestrüpp oder wirft sich ins kalte Wasser, was auch seine Leidenschaft ist. Bei der Arbeit im Wasser oder zwischen dichtem Dornengestrüpp wird Spinone Italiano durch seine dicke, feste und dicht behaarte Haut geschützt. Das Fell ist steif, hart und anliegend. Die Haarlänge kann 4 - 6 cm betragen. Obwohl er keine Unterwolle besitzt, kann er Kälte und Nässe durchaus gut vertragen und ist bei jedem Wetter einsetzbar. Seine Unempfindlichkeit hat auch für seinen Namen gesorgt, denn "Spino" bedeutet im Italienischen "Dorn" oder "Dornenstrauch".

 

Der Spinone Italiano hat ein raumgreifendes Gangwerk mit einem freien Schritt. Hat er eine Fährte aufgespürt, verlangsamt er sein Tempo, analysiert in aller Ruhe die Fährte und folgt der Spur dann lautlos und vorsichtig mit einem sicheren Abstand zum Wild. Während der konzen-trierten Arbeit bewegt sich seine Rute permanent hin und her. Erst wenn er seine Beute erspäht hat, steht er fest vor, und auch seine Rute kommt zum Stillstand. Ein besonderes Merkmal ist seine Veranlagung zu einem verlängerten und schnellen Trab.

 

Der Spinone Italiano ist ein guter Vorsteher und besonders für das Buschieren geeignet. Er kann zwar wie viele andere Jagdhunde auch für die Treibjagd eingesetzt werden, sollte aber zum Beispiel nicht für eine Riegeljagd auf Schwarzwild verwendet werden. Grund dafür  sind einerseits sein Mut und seine Gelassenheit, wodurch er sich auch von Sauen nicht sehr beein-drucken lässt, und seine Langsamkeit, die ihm eventuell zum Verhängnis wird, weil er sich nicht schnell genug vor aggressi-vem Schwarzwild in Sicherheit bringen kann. Für die Einzeljagd, besonders auf Niederwild, ist der Spinone Italiano dagegen bestens geeignet. Seine Suche ist langsam und kurz, dh. er entfernt sich nicht sehr weit von seinem Führer, er bleibt sozusagen, wie es gewünscht ist, "unter der Flinte". So kann man damit rechnen, dass er sich normalerweise nicht mehr als 10 bis 30 Meter entfernt. Dank seiner hervorragenden Nase, seiner konzentrierten Arbeitsweise und seiner Unermüdlichkeit kann er natürlich auch für Nachsuche eingesetzt werden.

 

 

Farbschläge

 

Die beim Spinone Italiano zugelassenen Farben sind reines Weiß, Weiß mit orangefarbenen Flecken, Weiß mit orangefarbener Stichelung sowie Weiß mit kastanienbraunen Flecken oder mit kastanienbrauner Stichelung. Bevorzugt wird eine Braunfärbung, die als "Kapuzinerkutte" bezeichnet wird. Auffallend ist, dass er eine der wenigen Jagdhunderassen ist, bei der rein-weiße Vertreter vorkommen und zugelassen sind. Die braune Farbe wird gegenüber dem Weiß jedoch dominant vererbt.

 

In der Regel ist bei Jägern der Braunschimmel oder die braune Stichelung sehr beliebt. Es gibt aber auch durchaus Vorteile, wenn der treue Jagdbegleiter weiß oder vorwiegend weiß gefärbt ist. So ist ein weißer Spinone Italiano beim Entenstrich, also der abendlichen Entenjagd, für die er hervorra-gend geeignet ist und häufig eingesetzt wird, wesentlich besser zu erkennen als der Braunschimmel. Auch wenn er bei Treib- und Riegeljagden teilnimmt, hebt er sich von seiner Umgebung besser ab als dunkel gefärbte Hunde und kann auch nicht so leicht mit Jagdwild verwechselt werden. Die gute Erkennbarkeit ist auch wichtig, da die meisten Spinone Italiano stumm jagen. Bei manchen kommt zwar der Sichtlaut vor, aber in der Regel ist er ein stummer Jäger. Im Rassestandard ist aber dies-bezüglich nichts festgelegt, so dass in der gezielten Zucht auf diese Eigenschaft nie geachtet wurde.

 

Eine Besonderheit dieser Rasse ist der melancholische Blick. Dieser spezielle Augenausdruck kommt dadurch zustande, dass bei den Augen in der Regel auch das Weiße rund um die Iris zu sehen ist, was für Hunde eher untypisch ist. Daher sagt der Italiener auch, der Spinone hat "Menschenaugen".

 

 

Kein Hund für den Zwinger

 

Da der Spinone Italiano langsam jagt, wurde er in der Vergangenheit häufig durch schnellere Rassen abgelöst. Somit ist er sogar in seinem Heimatland etwas seltener geworden und wird weniger bei der Jagd eingesetzt. In letzter Zeit hält man ihn dafür öfters als reinen Familien- und  Begleithund. Der ruhige Hund ist freundlich zu Fremden, meldet aber alles Ungewöhn-liche mit einem tiefen Bellen. Grundsätzlich ist er aber nicht sehr bellfreudig und auf gar kei-nen Fall ein Kläffer. Der Spinone Italiano möchte am liebsten überall dabei sein und genießt die enge Bindung zu seiner Familie. Für eine reine Zwingerhaltung ist er nicht geeignet.

 

Als Junghund ist der Spinone Italiano sehr aktiv und ständig dabei, seine Umwelt neu zu entdecken. Die Welpen sind anhänglich und sehr folgsam innerhalb ihrer Familie, zeigen aber gegenüber Frem-den und ungewohnten Situationen ein gesundes Misstrauen, was sich unter Umständen zu einer gewissen Scheu entwickeln kann. Daher ist es besonders wichtig, einen Spinone Italiano von klein auf gut zu sozialisieren und ihn mit möglichst vielen verschiedenen Umweltreizen zu konfrontieren, damit er sich daran gewöhnt und lernt, mit ihnen umzugehen. Dazu gehören sowohl der Staubsau-ger im Haus, die kreischenden Kinder der Nachbarschaft wie auch der Straßenverkehr, das Vieh auf dem Bauernhof oder ein Spaziergang durch die Stadt, nicht zu vergessen der jagdliche Schuss. Wichtig ist für den Spinone Italiano, besonders im ersten Lebensjahr, dass er eine vertrauensvolle Bindung zu seinen Bezugspersonen aufbaut, die seine Sicherheit und sein Selbstbewusstsein stärkt. So wird er sich zu einem verlässlichen Jagdbegleiter entwickeln, der selbst bei der Arbeit seinen Menschen stets im Auge behält.

 

 

Gesundheit 

 

Der Spinone Italiano wächst sehr langsam und neigt zu Hüftgelenks Dysplasie. Deshalb ist in den ersten Lebensjahren besonders darauf zu achten, die Tiere richtig zu füttern (nicht zu schnelles Wachstum) und körperlich nicht zu überfordern. In Deutschland und Österreich ist das HD Röntgen eine Voraussetzung zur Zuchtzulassung. Im Heimatland Italien leider nicht, so dass dort nur relativ wenige Hunde auf HD untersucht, aber dennoch zur Zucht eingesetzt werden. Früher wurde die Rute bei diesen Hunden auf 15 - 20 cm kupiert. Heute sieht man selbst in Jägerkreisen immer mehr unkupierte Exemplare. Der Spinone Italiano ist bei der Jagd sehr aktiv in der Rute, was seine Begeisterung ausdrückt, er kann sich dadurch aber Blessuren zufügen.

Wie viele große Hunderassen braucht der Spinone Italiano etwa zwei bis drei Jahre, bis er wirklich erwachsen ist. Es kann sogar sein, dass er die volle körperlich Masse erst im vierten Lebensjahr erreicht. Die durschschnittliche Lebenserwartung dieser Hunde liegt bei etwa zwölf Jahren.

 

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